Geschichten übers Frau- und Single-Sein, voller Witz und emotionalem Tiefgang.
Podcasts sind was Schönes, in den Öffis, beim Sport, beim Karotten schneiden, beim Einschlafen oder wie in meinem Fall — als tägliche, unstillbare Sucht. Besonders schön ist der Podcast ALLES HALT mit Sarah Scharl, der tollen Kabarettistin, Schauspielerin und Autorin. Auf Apple Podcast, Spotify, Google, Amazon, im stinknormalen RSS Feed oder sonst schnell in Online-Suchen auffindbar, kann man sich anhören, wie Sarah filterbefreit übers moderne Frau- und Single-sein spricht, über lustige Dating-Anekdoten und auch über krass düstere Geschichten aus der privaten Vergangenheit.

Episode “Selbstbewusstsein”
Aber warum hört man mich in manchen Folgen im Hintergrund, wie ich erfolglos versuche, mir das Lachen oder die geschockten Tränen zu verkneifen? Ich bin der Producer dieser Show.
Dass Sarahs Podcast lustig sein würde, wusste ich schon, weil ich ihren Stand-Up kenne und seit ich sie vor einigen Jahren bei einer anderen Podcast-Produktion kennengelernt habe. Sie war Gast damals und wir haben danach über 30 Rock, Amy Schumer und andere tolle Comedy-Powerhouses geredet – und sie erwähnte erstmals, dass sie auch so gerne einen Podcast machen würde.
Danach haben wir bei Schreib-Projekten sowie Serien- und Film-Ideen kollaboriert. Sie ist die Stimme in einem meiner Kurzfilme und wir haben vor kurzem einen batshit-crazy und extrem ambitionierten Sketch abgedreht, bei dem wir beide zusammen vor der Kamera stehen. Mehr dazu demnächst. Letztes Jahr kam dann auch Sarahs Entschluss, den erträumten Podcast endlich in die Tat umzusetzen. Dabei stehe ich mit (technischen) Rat, Tat und blöden Sprüchen gerne bei. In einer Folge bin ich sogar schon als Gast dabei. Wie wir Anglizismen-Freaks sagen würden: It all came together nicely.
Ich hatte nicht gedacht, dass mich manche ihrer Podcast-Themen emotional so berühren würden. Von Mobbing über frauenfeindliche Zusammenstöße bis hin zu Kindheitstraumata schütteln einen Sarahs Geschichten ordentlich durch. Dating-Life kann sehr lustig sein, aber schnell in Sorge umschlagen. Oder das laute Lachen mitten unter Tränen fühlt sich verwirrend an — aber gleichzeitig so gut. Mal will man ihr Trost spenden, mal die eigene irre Tinder-Story erzählen. BTW das ist alles möglich: Kontaktiert uns einfach via Mail oder Sarahs Insta.
Klar ist jedenfalls, Männer werden nicht gehasst, nur die tatsächlichen Idioten unter ihnen vorgeführt. Harte Kinderheitserlebnisse und Unsicherheiten werden geteilt, sollen aber Zuhörer*innen helfen. Im besten Fall lernen andere aus dem Erlebten.
Und das ist eben der emotionale Rollercoaster, auf den man sich mit ALLES HALT einlässt: Themen wie Smut-Literatur, Selbstbewusstsein, schmerzhafte Erinnerungen, geiles Essen, verrückte Menschen, verrückte Filme, verrückte Bettgeschichten, die funktionieren und manche, die gar nicht funktionieren. Und das alles mit einem Schuss Podcasting als Therapie.
“… mit einem Schuss Podcasting als Therapie.”
Im Jahre 2012 habe ich selber einen Podcast gestartet, Lust auf Zorn, in einer Zeit, in der noch nicht jede/r Zweite einen hatte. Auch da gings um die wilden, viel offenlegenden und manchmal berauschenden Dinge des Lebens. Unseren Pioniergeist von damals in allen Ehren, Sarahs Podcast läuft auf jeden Fall professioneller ab.
Sarah bleibt trotz zeitweiligem TMI, den Tränen und manchen angry Rants immer self aware. Sie weiß, wie man einen Roten Faden aufrecht hält und kann sich schnell wieder auf Organisatorisches besinnen, auch wenn die Themen sie manchmal belasten. Die Zusammenarbeit ist deshalb ziemlich toll für mich und ich freue mich auf das weitere Podcast-Jahr und darüber hinaus.
Viel Spaß mit diesem sympathischen, manchmal manischen und omni-sharing Podcast: ALLES HALT. Falls es euch wie mir geht, eine perfekte Show, um die innere, ungezähmte Podcast-Sucht zu zähmen.
Josef Zorn